Regentag an der Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn

Im Gegensatz zu gestern verheißt der Wetterbericht keine Wetterbesserung über den Tag. Nur die Optionen zwischen mehr oder weniger Regen.

Egal erstmal „VIP Frühstück“ am Platz, da ich der einzige Gast bin gab es sinnvoller weise kein Frühstücksbuffet aber auch so war alles dabei.

Perfide wie Petrus ist lässt er mich sogar fast im Trockenen nach Rinteln fahren. Wobei die 17% Gefälle mit Kopfsteinpflaster auch ohne Regen vorsichtig anzugehen sind.

Es bleibt sogar noch Zeit für einen Abstecher vor Rinteln an die Bahnstrecke für den Zug nach Rinteln.

Ziel ist der Bahnübergang kurz vor der östlichen Einfahrt vom Bf. Rinteln.

Der dortige Anschluss der Landwirtschaftlichen Siloanlage ist schon länger vom Bahnnetz abgeklemmt.

Unmittelbar neben dem Bahnübergang wiederum überspannt eine der Bahn nach Stadthagen die Bahn, Anschlussgleis und Strasse.

Der Zug nach Hameln und der Schienenbus der Museumbahn welcher im Privatbahnbahnhof Rinteln Nord steht (aber südlich der Gleisanlagen des Bf. Rinteln liegt) grüssen sich gegenseitig gut hörbar mit einem Hupkonzert bevor der Lint auf dem Weg nach Hameln die Brücke passiert.

Mit ein wenig Verspätung knattert dann um 11:28 Uhr der Schienenbus über die Brücke mit Fahrtziel Stadthagen.

Es ist der vsl. vorletzte Betriebstag des Schaumburger Ferst da die Bückebergbahn als Pächter der ehm. Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn diese auf Grund nicht finanzierbarer Sanierungsarbeiten und fehlender Unterstützung aus den Anliegergemeinden, Kreis und Land den Pachtvertrag zum 1.5. gekündigt hat. Dies ist nicht nur für die Schienenbusfaherten des Ferst und die Dampfzugfahrten der Dampfeisenbahn Weserbergland ein schwerer Schlag sondern auch für den Güterverkehr welcher aus Holztransporten sowie Splitlieferungen zum Baustoffwerk südlich von Stadthagen bestand. Wieder hunderte und mehr LKW auf der Strasse…

Ob der Eigentümer der Strecke, diese weiter instand hält ist fraglich. Sind die Eigentümer der Rinteln-Stadthagener Verkehrs GmbH (RStV) just jene Gemeinden und der Kreis die auch so schon kein Geld zur Sanierung geben wollten.

Apropos Kreis Schaumburg, auch hier beschränkt man sich im ÖPNV gerne auf Anruflinientaxis und Schülerverkehr. Am Wochenende hilft hier nur das Auto. Passend zum VW dominierten Niedersachsen.

Planungen zur Reaktivierung gab es schon mehrfach, aber kaum folgt der Absichtserklärung die Kostenschätzung folgt das Schweigen im Walde seitens der Verantwortlichen.

Über teils entlang gut ausgebauten Strassen mit „Bettelampeln“ deren Umlaufsteuerung dem Radfahrer und Fußgänger klar zeigen dass die Autos Vorrang hsben geht’s nach Steinbergen in dessen Bahnhof ein paar abgestellte Kesselwagen auf bessere Zeiten warten.

An der Südflanke des Auetal bei Buchholz dominiert die Brücke / Galerie der A2 die Szenerie.

Und dann wird, noch ohne Regen, Bad Eilsen erreicht.

Und mangels guter mit Bahn umzusetzender Motive im Ortsbereich gleich weiter nach Obernkirchen geradelt.

Der Bü im nördlichen Obernkirchen mit der Steinstele wird als Plan B Motiv vorgemerkt aber kurz vor Sülbeck findet sich ein passendes Motiv und kurz darauf kommt der Zug aus Stadthagen zurück. Dank der leichten Steigung mit guter Akustik und „Gross“dieselduft.

Und dann die Überraschung am Bf. Obernkirchen, der Zug ist noch nicht da. Dieser kommt, vmtl. wegen Oberbaumängeln, im Schneckentempo in den Bahnhof gekrochen.

Da der Zug einen etwas längeren Aufenthalt hier zum Besuch des Cafe im Empfangsgebäude hat nutze ich die Zeit für einen Vorsprung fpr ein Fotomotiv zwischen Obernkirchen und Röhrkasten.

Und ganz nebenbei fängt es nun an leicht zu regnen…

Nundenn, dann erstmal hoch nach Stadthagen fahren während es stärker anfängt zu rennen.

Bei Regen sieht alles Trostlos aus. Sowohl das Gelände der Dampfbahn im Bf Stadthagen West als auch das imposante aber fast vollständig  leerstehende Empfangsgebäude des „Staatsbahnhofs“.

Am Baustoffwerk das ab 1.5.2024 auf den Bahnanschluss verzichten muss vorbei gehts zurück nach Nienstädt, wo ich auf der Hinfahrt noch ein Bü Motiv entdeckt hatte an dem dann der zweite und letzte Zug des Tages nach Stadthagen erwischt wurde.

Im stärker werdenden Regen dann weiter zu einem Feldweg südlich von Röhrkasten welcher sehr verschlanmt war. Die Anfahrt darauf hinauf zur Strecke war sehr herausfordernd.

Aber auch dies war es wert. Siehe Titelbild und unten rechts.

Interessanter weise lies der Regen während der Wartezeit und zum Foto stets nach um dann beim Weiterfahren wieder stärker zu werden.

In Bad Eilsen zweigte bis 1966 die Bad Eilsener Kleinbahn nach Bückeburg, das wie Stadthagen an der Bahnstrecke von Hanover nach Minden liegt.

Um so amüsanter ist daher die Haltestelle „Bad Eilsen Kurhausbahnhof“ für den mehr als dürftigen Busverkehr im Kreis Schaumburg und zudem für eines Kurort dieser Größe.

Hmm, das Gebäude des Hsus des Gastes passt von der Bauart her nicht zum Rest vom Kurort. Tippe auf frühe 40er Jahre…

Brennholz, Kartoffeln und Streusalz. Eine interessante Mischung hat es hier im Angebot.

Oberhalb des, bahnseitig schon länger nicht mehr bedienten Steinbruchs zwischen Steinbergen und Buchholz, thront eine Aussichtsplatform „Jahrtausendblick“ mit angeschlossen Funpark. Die Nachfrage scheint entsprechend der Belegung auf dem Parkplatz, (hatte ich erwähnt dass der ÖPNV hier eher inexistent ist?) beim aktuellen Wetter sehr übersichtlich. Direkt neben dem Parkplatz unterquert die Bahnstrecke die A2.

Hmm, ob die Bahnbrücke nach 1967 nochmal eine Renovierung erleben wird?

Im Regen geht es parallel zu A2 das Auetal hinauf.

Das hiesige Protestplakat ist wiedermal typisch. Klar gehen eine Neubaustrecke aber die nur wenige hundert Meter und trotz Schutzbauten ins Tal lärmende A2 schert nicht. Zudem würde die Bahnstrecke ohnehin wie üblich parallel zur Autobahn genaut. Klassische Nimbys, Hauptsache der Autobahnanschluss ist sichergestellt  🤦‍♂️

Jetzt nochmal auf den Berg hinauf und schon wird diesmal von Norden her Schaumburg erreicht.

Und es ist bei leicht nachlassenden Regen noch Zeit für einen Abstecher hinauf zur Burg. Der Ausblick ins Wesertal ist eher „getrübt“ / wie zu erwarten.

Jetzt erstmal die Heizung aufdrehen, raus aus den nassen Klamotten und Schuhen und ebendiese zum trocknen aufhängen.

Dann ab zum Abendessen.

Nochmal der Riesling von der Saar bevor es nach dem Küchengruss mit Bärlauchsuppe mit gebackener Räucherfischpraline und Tranchen vom Kalbsrücken an Morchelrahm Frühlingsgemüse und Kartoffelpüree weiter geht.

Den Abschluss bilden Mirabellen-Topfenknödel auf Mandelsauce mit Nougatperlen und Mohnparfait und da es nun enfluch aufgehört hat zu regnen gibt sich die Sonne mit Abendrot hinter dem Fenster die Ehre und Inspiration für einen Marzadro Diciotto Lune Grappa.

Abschließend noch der übliche Link zu Komoot über die 69km mit 640 Höhenmeter durchs Schaumburger Land.

Genug geschlemmt, morgen geht’s nach Hause.

Langstrecke an toten Strecken ins Schaumburger Land

Der Tag begann mit Sonnenschein und einem sehr angenehmen Frühstück.

Nach dem Auschecken nich eine Runde durchs Städtchen und zur nur Mo-Fr bedienten Station Einbeck BBS / P.S. Speicher. Kurz hinter dem Bahnsteig verhindert eine Sh2 Scheibe die Weiterfahrt. Der Bahnsteig ist im übrigen ein Teil des offiziellen Fuss- und Radwegs.

So morsch wie der Oberbau hinter der aktuellen Endstation daher kommt wundert die Sperrung kaum.

Am Ortsende von Einbeck weiche ich von der Bahnstrecke ab. Parallel führt nur eine gut befahrene Strasse ohne Standstreifen. Das muss ich mir nicht geben.

Am Ortseingang von Hullersen grüsst ein Galgen? Ähm, nein es ist ein „Wetterstein“.

Derweil zieht es sich irgendwie zu. Der angekündigte Saharastaub sorgt für Dunst und eine hochnebelartige Wolkendecke.

An der Juliusmühle geht es auf die kurz nach der Einbecker Stadtgrenze, ca. ab höhe Hullersen, abgebaute Bahnstrecke.

Am dortige Werk der Fa. Renold sind beiderseits der Strasse noch Gleisreste vorhanden.

In Markoldendorf erinnert eine Lokomotivachse im Kreisel an die Bahn deren Trasse in der Ortslage mittlerweile von der Strasse einverleibt wurde.

Im bebachbarten Eilensen dagegen ist noch der alte Bahnsteig inkl. Hektometerstein vorhanden.

Hinter Eilensen verbleibt die Trasse der Bahnstrecke im Tal während die Strasse und der Radweg erst den Hang hinauf und dann nach Dassel wieder hinunter klettert.

In Dassel wurde das Bahnhofsareal ausgebaggert und mit einem KIK Markt überbaut, daher steht das ehemalige Empfangsgebäude etwas verloren oberhalb des ehemaligen Areals.

Dassel ist an sich ein schönes Ort, aber mit sehr hohem Leerstand. Vielleicht eine Folge des hier im flachen Land meist eher dürftigen ÖPNV?

Die Bahnstrecke endete in Dassel und über wenig befahrene Landstraßen und Feldwege geht es über die Hügel weiter.

Apropos dürftiger ÖPNV, ein „top Beispiel“ findet sich bei Erichsburg. Dort stehen auf dem Aushang der Tarufinfos mehr Zahlen wie im Fahrplanaushang 🙁

Die Sonne ist langsam komplett verstaubt und über den Berg gehts nun nach Vorwohle wo eigenartige Gestalten im Vorgarten stehen.

Hier fahre ich nochmal über den Einschnitt nach Lenne und am Denkmal zur in den 70er Jahren Aufweitung des Einschnitt zurück nach Vorwohle.

Warum die Strecke immernoch zweigleisig ist? Weil am Wochenende nur alle 2h ein Zug je Richtung fährt?

Deemr Sinn des Zg2 (Zugschluss) an der Laterne ist nicht erklärbar aber so gut wie es befestigt ist scheint es wichtig zu sein.

Etwas weiter talwärts beginnt dann der Lenne-Freizeitweg wobei der Info Pavillon darüber informiert dass sich hier an der Strasse nicht die eigentliche Bahnstrecke von Vorwohle nach Bodenfelde verlief sondern etwas weiter oberhalb im Wald. Hier unten befand sich ein Umladebahnhof auf eine Schmalspurbahn welche diverse in den oberhalb im Wald vorhandene Stollen bediente in die im WK II diverse Fabriken ausgelagert wurden.

Und nach einem kurzen strammen Anstieg wird die Bahnstrecke erreicht (der Verladebahnhof schliss erst weiter Talwärts an) und enspannt nach Wickensen gerollt.

In Wickensen liegen nicht Schienen herum und auch ein SchuB Lo57 Bü Schaltschrank hat überlebt.

Das Empfangsgebäude von Eschershausen gibt sich gepflegt mit diversen Bahn Devotionalien.

Ein alter Schrankenposten hat auch überlebt, ebebso wie der erkennbare ehemalige Gleisanschluss.

Am Ortsrand von Eschershausen / Ortsteil Sarfodendorf endet der Lenne-Freizeitwegauf der alten Bahntrasse vorerst. Der Grund dürfte die Umgehungsstrasse sein die derzeit gebaut wird.

Aber kurz darauf geht’s auf der Trasse weiter.

Hinter Dielmissen am ehm. Zementwerk tauchen dann diverse sehr desolate Bahnwagen und recht kitschige „Loks“ auf.

Sie markieren das Ende der Draisinenbahn aus Bodenwerder welche aber seit mehreren Jahren ausser Betrieb ist da der Landkreis Holzminden das Queren der Strassen mit den Draisinen untersagt hat.

Die ehemalige Draisinenbahn teilt sich Abschnittsweise die Trassem mit dem Lenne-Freizeitweg. Mangels Draisinenbahn ist auch kein Konfliktpotential da, wobei der Weg an sich auch eher ungepflegt wirkt.

Aber die Stecke hat interessante Abschnitte bis hin zu Werksbauten (mit ehm. Gleisanschluss) im Bauhausstil.

Wer mutig ist überquert hinter Kirchbrak die Lenbe in Gleismitte auf den rostigen Platten, ich wähle ich lieber den seitlichen Steg.

Der Bahnsteig von Buchhagen erscheint massiv überdimensioniert, laut Wikipedia war das benachbarte Aussflugslokal aber lange Zeit das Ziel von Ausflugszügen mit entsprechender Länge.

In Bodenwerder-Linse befand sich der Betriebsmittelpinkt der Vorwohle-Emmerthaler-Eisenbahn, der aber erkennbar dem Verfall preisgeben ist.

Auch der zugehörige „Kulturbahnhof“ und ehemals Draisinen Startbahnhof Bodenwerder-Linse ist ungenutzt.

Kurz danach quer die Strecke die Weser, wobei die Brücke mit ein Grund für die Einstellung der Bedienung östlich von Bodenwerder war.

Immerhin wurde die Strecke ab dem westlichen Ortsrand von Bodenwerder wieder instand gesetzt und dient nun Sand, Kies, Kalk und Holztransporten.

Am Weserradweg geht es nun weiter Richtung Hameln.

Vorbei am Wasserschloss Hehlen wird Hajen erreucht und am ungenutzten Fähranleger eine Rast mit Kaffee und Kuchen eingelegt.

Und weiter der Weser entlang mit Blick auf die Gierfähre bei Grohnde, am stillgelegten AKW vorbei und unter der Weserbrücke der Bahnstrecke von Hameln nach Altenbeken hindurch. Gefühlt wird es immer dunkler obwol es erst Nachmittags ist.

Bei Tündern überrascht dann eine Windmühle holländischer Bauform bevor alsbald Hameln mit den nun ungenutzten Hafenanlagen inkl. ehemaligen Aurora Mehl Lagerhallen und Gleisanlagen.

Die stadtseitig abgeschnittene Bahnbrücke wurde einst von der Bahnstrecke nach Barntrup und Lemgo genutzt. Reaktivierung unmöglich…

An der Weser entlang geht’s durch Hameln und weiter nach Fischbeck wo gerade ein Zug Richtung Rinteln kurz meine Fahrt unterbricht.

Im Gewerbegebiet von Hessisch Oldendorf steht ein „kleiner“ Grill, falls mal jemand der kleine Hunger überfällt 🤪

Hinter Hessisch Oldendorf geht es nochmal stramm bergauf zur Burg Schaumburg wo sich nebenan auch das Hotel befindet.

Der Anstieg verläuft mit teils >10% Steigung aber der Akku hat noch Reserven 😉 und so wird gegen 17:30 die Übernachtung erreicht.

Das Restaurant gehört eher zur gehobenen Klasse und wie zu erwarten war es wirklich sehr fein. Insbesondere der Fisch und als Kontrast „Arme Ritter“ zur Nachspeise.

Das dunkle Schaumburger Landbier der Brauerei aus Nienstädt gefällt auch.

Zum Abschluss noch der Link zu Komoot mit der 95km Tour und 640 Höhenmetern.

Morgen geht es dann zu den Resten der Exertalbahn.