Historisches nach und in Chemnitz

Um 8:20 ging es mit dem RE der MRB (Trandsev) nach Chemnitz. Dass der Zug auf Gleis 23 und somit neben dem Museumsgleis des Leipziger Hauptbahnhof abfährt passt irgebdwie. Denn das was hier als RE seitens der Besteller (Landesverkehrsgesellschaft des Landes Sachsen) den Kunden geboten wird ist wahrlich Museumsreif. Das modernste der Garnitur ist die ER20 „Hercules“ von Siemens. Der Zug besteht aus modernisierten ex. DR Abteilwagen mit dem optischen Charme einer Dixi Toilette und einem Wittenberger Steuerwagen. Laut, unklimatisiert, unruhiger Lauf, Klotzbremsen das ist kein zeitgemäßer SPNV. Das einzige Higlight war der Tf welcher fast alle touristische Highlights während der Fahrt aufzählte und erläuterte.

Von Chemnitz Küchwald geht es wegen Bauarbeiten nach einem kurzen Fussweg mit dem SEV Bus zum Hauptbahnhof und dann mit der Citybahn Chemnitz zum „Bahnhof“ Hilbersdorf. Vom einst bedeutenden Rangierbahnhof ist nunmehr nur ein Haltepunkt übrig gebliebenen.

Dank eines rührigen Vereins konnte u. a. das imposante Reiterstellwerk B3 inkl. der dort vorhandenen Hebelbank und der Steuerstände für die Seilablaufanlage die durch den Rückbau der Gleisanlagen nur noch teilweise vorhanden sind.

In der Unterhalb der Stellwerksräume befindet sich ein ehm. Fusssteg welcher seinerzeit das Gelände des Rangierbahnhof mit dem ehm. Sozialgebäude / Kantine verband. Diese wurden aber über den beiden Steckengleisen nach Dresden abgebrochen und nutzt nun als Ausstellungsfläche über die Geschichte und eingesetztes Handwerkszeug des Rangierbahnhofs.

Auf der oberen Etage beeindruckt die elektromechanische Hebelbank (VES Bauform 1912), der sächsische Bahnhifsblock, ein funktionstüchtiger Fernschreiber und natürlich die Steuerstände der Seilablaufanlage welche auf den sechs Gleisen der Einfahrgruppe über Jahrzehnte die sonst üblichen Abdrückloks ersetzte. Details siehe obiger Link zum Verein.

Auf einem kurzen Stück der ehm Gleise 1 und 2 hat der Verein die Seilablaufanlage nachgestellt, wenngleich die Seile an denen die Drückwagen hängen nicht mehr vom ca. 600m entfernten, auf Höhe des im ehm. Bw befindlichen sächsischen Eisenbahnmuseum, Maschinenhaus das auch das ehm Stw. B2 beherbergt. Das Umlaufseil wird daher von einem Elektromotor in einer Baracke angetrieben.

Zum Ärger der sehr motivierten und auskunftsfreudigen Vereinsmitglieder funktioniert das Abbremsen der Wagen mit den Hemschuhen nicht ganz so wie gewünscht, der Hemmschuh springt zu früh noch vor der Auswurfeinrichtung ab, aber beeindruckend ist die kleine Demonstration trotzdem.

Die imposanten Seilspannwerke sind auf Gund der Ersatzanlage zum Seilantrieb nicht mehr in Betrieb.

Es geht nun mit einem umgebauten Kleinwagen der DR zum ehm. Maschinenhaus.

Vom benachbarten sächsischen Eisenbahnmuseum grüsst der DR Schnelltriebwagen VT18.16 bevor es in den im Erdgeschoss des Stw. B2 befindlichen Maschinenraum der Seilablaufanlage geht.

Die drei Maschinensätze waren für die in den sechs Einfahrgleise befindlichen Seilablaufanlage zuständig wobei jeder Maschinensatz die Drückwagen in je zwei Gleise mit einem umlaufenden Seil antrieb. Es waren dies die Gleise 1 und 6, 2 und 5 sowie 3 und 4. Somit lief stets beim Abdrücken im einen Gleis der flach zusammengeklappte Abdrückwagen im anderen Gleis zurück in die Ausgangsposition.

Beeindruckende Maschinen, auch die mit einem zentralen Drehstrommotor gekuppelten Gleichstromgeneratorsätze zeugen von der Kreativität der Konstrukteure wie man seinerzeitig Probleme in der stufenlosen Ansteuerung kreativ umging.

Die Schallttafel im kleinen Maschinenraum passt jedoch nicht zu den dortigen Generatoren. Es dürfte sich um die alte Stromversorgungsschalttafel des Stellwerks handeln worauf die Spannungen 144V (Weichen) und 36V (Überwachungsschleifen im Stw.) hindeutet.

Eine Ludmilla (Baureihe 232) kommt laut hupend vorbei und es geht mit dem kleinen Pendelzug zurück.

Am Stellwerk bekommt die kleine Gruppe die Geschichte, Betriebsweise und Abläufe im ehm. Rangierbahnhof anschaulich erläutert.

Noch ein Rundgang durch den in Aufbau befindlichen Signalgarten und es ist Zeit für den nächsten Programmpunkt. Das derzeit noch recht wilde Gelände wurd sich vsl. noch verändern da es, zusammen mit dem Eisenbahnmuseum, Bestandteil der Landesausstellung in 2020 werden wird.

Mit dem Stadtbus geht es nun quer durch Chemnitz zur in der Nähe des Bf. Küchwald liegenden Pionier- / Parkeisenbahn wo sich am Bahnhof der Pionierbahn erst einmal gestärkt wird bevor es auf eine Rundfahrt geht.

Am Betriebshof wird die Fahrt unterbrochen um die im dortigen Innenhof liegende (LGB) Gartenbahn anzusehen und die funktionstüchtige alte Personenwaage mit Kartenausgabe genutzt (über deren Ergebnis schweige ich mich mal aus 😂) bevor es wieder zum Ausgangsbahnhof weiter geht.

Durch den Park geht es dann zu Fuss zum Bf. Küchwald und schon kurz darauf geht es im MRB „Gerümpelexpress“ eine schweißtreibende und laute Stunde lang zurück nach Leipzig.

Noch eine Runde durch die Leipziger Innenstadt und in der Nähe der Thomaskirche wird beim Italier eingekehrt und anschließend nebenan ein hervorragendes „Eis to go“ genossen bevor es nach einem Absacker bei Leos zurück ins Hotel und Bett geht.

Schön war es, besonderer Dank an Ralph und Manu für die Idee und Organisationen.

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